Woraus besteht eigentlich unsere Kleidung

Second Hand kaufen

Inhaltsverzeichnis

Mehr Nachhaltigkeit kann man im Alltag in vielen Bereichen fordern, ein wichtiger Bereich ist die Kleidung, die wir kaufen und tragen, oder auch nicht tragen. 60 neue Kleidungsstücke kaufen wir in Deutschland durchschnittlich pro Kopf pro Jahr. Woraus diese Teile eigentlich bestehen? Gute Frage! Die folgende Auflistung umfasst die wichtigsten Stoffe und Fasern, aus denen unsere Kleidung besteht, ohne die Herstellungs- und Produktionsbedingungen zu berücksichtigen.

1. Polyester, Elasthan, Polyamid, Polyacryl

Polyester, Elasthan, Polyamid und Polyacryl gehören zur Gruppe der synthetischen Chemiefasern. Rund 65% aller Kleidungsstücke bestehen aus synthetischen Chemiefasern. Ausgangsstoff, um diese Fasern herzustellen ist Erdöl. Kurz gesagt, sind Polyester und Co. “Plastik“. Polyester, Polyamid und Polyacryl sind besonders günstig, können gut eingefärbt werden und sind besonders dehnbar und “stretchy”. Wäscht man Kleidung aus synthetischen Chemiefasern, werden bei jedem Waschgang kleine Fasern ins Wasser abgegeben -Mikroplastik. Warum Mikroplastik nicht nur für unsere Umwelt sondern auch für unseren Körper extrem schädlich ist, lest ihr hier.

Liest man die Fakten nochmal, sollten einem das Problem doch schon deutlich werden, oder? 

65% der Kleidung, die wir tragen besteht aus Plastik? Was bei jedem Waschengang Mikroplastik abgibt? Also fühlen wir uns wie Weltverbesserer wenn wir in der Drogerie Peelings und Duschgels ohne Mikroplastik kaufen, keinen Einkauftüte nehmen – tragen dabei aber Plastik am Körper und waschen munter Mikroplastik weiter ins Meer? Und warum? Weil Sportlegging einfach so bequem sind, neon-Farben einfach so schick und coole Print ein Must-Haves sind..? 

Jetzt haben wir alle schon Teile mit oder aus Polyester und Co. zuhause – die müssen wir nicht wegwerfen, es gibt Lösungen wie den Guppyfriend, der verhindert, dass das Mikroplastik ins Abwasser gelangt. Dafür muss die Wäsche nur in dem Sack gewaschen und die Fasern später im Restmüll entsorgt werden. Hier geht zum Guppyfriend.

2. Baumwolle

Baumwolle ist die wichtigste Naturfaser. Wobei “nur” noch ca. 25% der Textilien aus Baumwolle bestehen.ca. 65% bestehen ja bereits aus synthetischen Chemiefasern. Baumwolle ist eine nachwachsende Pflanze, wächst aber vorwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten. Die Hauptanbaugebiete sind Indien, China, die USA und Afrika. Baumwolle ist eine extrem durstige Pflanze, das bedeutet, sie benötigt extrem viel Wasser um zu wachsen, benötigt gleichzeitig aber auch sehr viel Sonne. Das passt leider nicht gut zusammen, da bei der künstlichen Bewässerung der eh schon durstigen Pflanze ein großer Teil des genutzten Grundwassers verdunstet. In Regionen, in denen Trinkwasser knapp ist, führt das zur illegalen Wassernutzung etc. Mehr dazu findet ihr hier.

Je nach Quelle und Rechnung werden für die Herstellung eines T-Shirts im Schnitt 2.700 Liter Wasser benötigt.

Waschen wir Kleidungsstücke aus Baumwolle, geben diese zwar kein Mikroplastik ab und sie bestehen auch aus einer nachwachsenden Pflanze, nachhaltig kann man diese durstige Pflanze aber leider nicht nennen. 

Bei Naturfasern gibt es nur ein Problem – wie bei fast allen Pflanzen gibt es Schädlinge, die es auf eben diese Pflanzen abgesehen haben. Werden die gesuchten Pflanzen in großen Monokulturen angebaut, können Schädlinge sich wunderbar vermehren und ausbreiten. Gäbe es nicht Pflanzenschutzmittel, Pestizide, Herbizide oder Genmanipulation. Einige Quellen nennen sogar einen Betrag von 25%, der weltweit eingesetzten Pflanzenschutzmittel, die auf Baumwollfeldern gespritzt werden. Also auch hier wieder, wir schauen bei Lebensmitteln hin und sind empört, wenn diese mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, bei den Teilen, die wir auf unsere Haut tragen, ist es uns aber egal..

Ein Schritt in die richtige Richtung ist Bio-Baumwolle, diese darf beispielsweise nicht genmanipuliert sein und aus ökologischer Landwirtschaft stammen. Nichtsdestotrotz sagt der Bio Status nichts über die sozialen Standards, den Verarbeitungsprozess und die Weiterverarbeitung aus.i

3. Viskose, Modal, Lyocell

Viskose, Modal und Lyocell werden auch durch chemische Verfahren hergestellt, basieren aber auf Zellulose von nachwachsenden Pflanzen. Diese halbsynthetischen Fasern machen ca. 10% der Textilenfasern aus. Ausgangsstoff für Viskose sind Zellulosefasern beispielsweise aus Holz, die mit Hilfe eines chemischen Verfahrens zu Garnen verarbeitet werden. Das Ausgangsstoff ist also ein nachwachsender Rohstoff, im Verfahren werden aber eine Vielzahl von Chemikalien eingesetzt. Ausgangsstoff für Modal ist Buchenholz und Modal wird als die “bessere Viskose” bezeichnet, da es mit weniger Chemikalien auskommt. Tencel ist übrigens der Markenname von der Firma Lenzing. 

Tencel, Modal und Lyocell als verbesserte Viskose können unter bestimmten Umständen überzeugen. Werden die Chemikalien in einem Kreislaufprinzip und minimal eingesetzt, um aus den Zellstoffen Textilfasern herzustellen, können diese Fasern trotz chemischen Verfahren überzeugen. Insbesondere Garne mit innovativen Herstellungsverfahren sind jedoch sehr teuer. Es lohnt sich aber, grade Hersteller zu unterstützen, die an innovativen Lösungen und Reduzierung der chemischen Substanzen interessiert sind.

4. Der Rest < 3%

Klingt jetzt so als hätte ich keine Lust mehr weiterzuschreiben – leider sieht es aber so aus, dass nicht mehr viel % übrig bleiben – und damit meine ich nicht meinen Akkustand. 60-65% aller Textilen bestehen aus Polyester und Co., 25% aus Baumwolle und 10% aus cellulosebasierten Chemiefasern. Die absoluten Prozentzahlen ändern sich je Quelle und Jahr, aber im Groben machen diese drei Ausgangsstoffe 95-99% unserer Kleidung aus. Das heißt, alle anderen Fasern machen zusammen grade mal 1-3% aus. Trotzdem wird gerne schnell über die negativen Aspekte von neuen Fasern geredet – bei weniger als 3% frage ich mich doch, ob das gerechtfertigt ist, oder ob wir mehr über die negativen Seiten der anderen 97% reden sollen? 

Abschließend lässt sich eigentlich nur sagen – das tragen, was man bereits besitzt, weniger und richtig waschen und keine neuen Teile mehr nachkaufen ist aktuell definitiv der nachhaltigste Weg!

0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x